Tutorial Quilt nähen mit Binding

Hallo ihr Lieben! Ich melde mich aus den Ferien zurück und habe mal wieder ein kleines Tutorial für euch im Gepäck. Meine Follower auf meiner Facebookseite haben vielleicht das kleine Unboxing Video gesehen. Ich hatte die Ehre ein Nähset von Shannon Fabrics zu testen, das mir von by-mami zur Verfügung gestellt wurde. Die Anleitung ist auf Englisch verfasst und für Leute, die noch nie auf diese Art und Weise gequiltet haben, vielleicht ein bisschen schwer zu verstehen. Also habe ich mal mitgeknipst und euch ein Tutorial erstellt. Die Vorgehensweise an sich lässt sich natürlich auch auf eigene Quilts übertragen. Das heißt ihr könnt selbstverständlich auch selbst Stoffe zuschneiden und mit der Anleitung eine Decke nähen. (Auch wenn ich den Luxus fertig geschnittener Stücke und die Qualität des super kuscheligen Plüschs echt nicht hätte missen wollen. Der ist toll!)

Also, here we go! Habt viel Spaß mit meiner Anleitung! Hier gibt’s das Nähpaket für Jungs und hier das Nähpaket für Mädchen.

Und hier ist mein Tutorial. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich verlinkt, wenn es euch geholfen hat.

Tutorial Quilt nähen mit Binding

So sieht das gute Stück aus. Ist die nicht schön geworden?

 

 

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Ich sehe was, was du nicht siehst – Die Crux mit der Reichweite

Keine Angst, das wird hier definitiv nicht der drölfzigste Post zum Thema ‚Hallo? Seht ihr mich noch? Dann lasst doch mal einen lieben Kommentar da!‘. Kotz. Dieses Reichweiten-Mimimi nervt.

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Sie ist in aller Munde, die liebe Reichweite. Nähende Frauen ärgern sich, weil ihre Beiträge nicht gesehen werden. Oder weil ihre Beiträge zwar gesehen werden, aber kaum jemand darauf reagiert. Und ja, ich gebe es zu, auch ich bin manchmal enttäuscht, wenn ich ein Teil nähe, das mir super gut gefällt. Wenn ich mir Mühe gebe schöne Bilder zu machen und dann irgendwie drei Likes von wohlwollenden Kolleginnen in den Gruppen bei rumkommen. Ja, auch ich habe mich schon gefragt ob das den Aufwand rechtfertigt. Aber hey, ich heule nicht auf meiner Seite rum. Und wenn ich mal rumheule, dann mache ich das, weil es mich gerade in dem Moment wirklich traurig macht. Nicht als ‚fishing for compliments‘.

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Am Anfang war das Reichweiten-Mimimi. Als sich das tot gelaufen hatte kam ein neuer Trend. Stichwort Bodyshaming. Versteht mich nicht falsch, auch ich habe mich schon umfangreich darüber ausgelassen, wie unmöglich ich es finde, wenn andere Leute über meine Figur urteilen. Dazu stehe ich nach wie vor. Bodyshaming ist übel, es ist wichtig sich dagegen stark zu machen. Aber irgendwie beschleicht mich in letzter Zeit das Gefühl, dass viele Seitenbetreiber damit ein bisschen Bauernfängerei betreiben. Und ich bin der Bauer, der damit auf die Seite gelockt werden soll. Man fühlt sich ein bisschen so, als würde man hier für dumm verkauft werden. Geht es euch nicht auch so?

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Die andere Fraktion versucht es über Humor. Es gibt großartige Seiten, wo ich mich bei jedem Post wirklich beömmeln kann und mich schon freue, wenn wieder etwas kommt. Ladi Romi zum Beispiel. Reaktionen und Followerzahl sprechen eine eindeutige Sprache. Chapeau, das ist witzig und authentisch. Aber auch hier gibt es schon wieder Mitläufer, die hundert Jahre alte Witze verbraten oder, noch besser, Content von großen Betreibern wie Viral Thread etc. teilen, um Leute auf ihre Seite zu bekommen. Finde nur ich das seltsam? Ich folge einer NÄHseite eigentlich um GeNÄHtes zu sehen, nicht irgendwelche Quatschvideos mit Kätzchen oder DIY-Clips, in denen T-Shirts und eine Heißklebepistole die Hauptrolle spielen.

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Wer nicht witzig ist und rumheulen doof findet, der zeigt neuerdings Gemüse oder seine Apfelbäckchen. Ich finde es ab und an ganz nett, mal einen Blick hinter die Kulissen einer Seite zu erhaschen. Da gehört vielleicht auch ein hübscher Teller oder die Ausbeute der ersten Gartenernte dazu. Aber ich bin kein Koch und kein Botaniker. Und ich möchte nicht beim Öffnen von Facebook ausschließlich Melonen und Tomaten sehen. Wenn ich das möchte gehe ich in den Supermarkt oder mache den Kühlschrank auf.

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Was ich noch viel befremdlicher finde ist es, auf meiner Timeline von fremden Hinterteilen angesprungen zu werden. Seien sie auch noch so sehenswert. Eine liebe Nähkollegin hat es kürzlich, sicherlich ein wenig überspitzt, Reichweitenpornografie genannt. Der erste Post mit einem Outtake (!!!) von einem vom Winde verwehten Rock mit einem dezenten Poblitzer mag ja noch witzig gewesen sein. Auch finde ich es wichtig genähte Unterwäsche und Bademode an der Person zu sehen. Stichwort Passform. Aber warum bitte zeigt neuerdings jeder mit Absicht der Welt sein Heck? Nein Moment, ich weiß warum. Die Reichweite scheint hier so gut zu sein, dass jetzt auch Ersteller damit Werbung machen. Ich betreibe kein Business, aber wenn ich mir überlege ich hätte eine Firma und ich verkaufe Schnittmuster, es wäre mir ehrlich gesagt peinlich so offensichtlich mit fremden Körperteilen Werbung zu machen. Wie auch immer, ganz viele Leute finden das ja gut, oder halt auch nicht, und fühlen sich in jedem Fall bemüßigt auf der Seite ihren Senf abzugeben. Super, Mission accomplished. Aber was dann? Wenn du dich also mit dem Gedanken trägst deiner Reichweite einen Kick zu verpassen und beim nächsten Shooting deine Apfelbäckchen in die Kamera zu halten, denk mal weiter. Was willst du uns denn im nächsten Post zeigen? Melonen? Zucchinis?!? Hähem… Ich will an der Stelle nicht weiterdenken.

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Leute, klar ist es schwieriger geworden als noch vor ein paar Jahren gesehen zu werden. Als ich angefangen habe mit der Probenäherei, da waren wir vielleicht 500 Mädels, wenn überhaupt. Noch weniger, die regelmäßig auf Facebook gebloggt haben. Heute sind wir tausende und viele machen die gleichen Sachen im gleichen Stil. Wer gesehen werden will muss sich abheben von der Masse. Das war früher viel einfacher. Ein paar ansprechende Bilder, ein hübsch kombiniertes und sauber gearbeitetes Nähstück, und man hat viele nette Reaktionen bekommen. Heute wird man von Genähtem und Bildern vor Büschen geradezu überschwemmt. Wenn du also nicht nur als Übersicht für dich und um deine Freunde nicht zu nerven eine Seite betreibst, wenn du wirklich gesehen werden willst, überleg dir was dich einzigartig macht. Bei manchen sind es die Geschichten dahinter, siehe Ladi Romi, oder auch Frau Muscheids Nähstunde. Bei manchen die absolut genialen Bilder, wie zum Beispiel bei Petite Mamsell, bei manchen ist es technische Perfektion, wie zum Beispiel bei Mrs. Little Things oder E.M. arts. Manche Seiten besuche ich gerne, weil ich dort einmal andere Schnittmuster zu sehen bekomme als sonst. Zum Beispiel Miss Elbneedle. Und dann gibt es noch die Seiten, die über Jahre hinweg nichts liefern außer perfekt stimmige Nähwerke mit tollen Stoffen, tollen Bildern und einer unaufgeregten Natürlichkeit. Zum Beispiel WalliBa. Das ist jetzt eine absolut unvollständige Liste MEINER Lieblingsseiten. Bestimmt fallen euch noch viele andere Blogs ein. Aber sie alle haben es, meiner Meinung nach, richtig gemacht. Dort geht es in erster Linie ums Nähen, mit der gewissen individuellen Note.

Titel

Ich selbst bin für mich auch noch in der Findungsphase. So ganz gelingt es mir noch nicht, mich super deutlich abzuheben. Aber ein paar Dingen möchte ich treu bleiben. Erstens: klitzeglück ist eine Nähseite. Keine Gartenseite und keine Seite, auf der man anatomische Details oder (unbekleidete) sekundäre Geschlechtsorgane zu sehen bekommt. Das ist und bleibt meinem Mann vorbehalten.
Zweitens: Ich bin definitiv keine Spaßbremse. Wer mich auch nur ein bisschen kennt, der kann das bestätigen. Humor ist mir sehr wichtig. Aber ich bin auch kein Comedian. Ab und an hab ich für euch einen lustigen Schwank, aber ich bin nicht Mario Barth.
Drittens: Wie oben erwähnt, kleine Blicke hinter die Kulissen mag ich sehr gerne. Auch bei mir wird manchmal aus dem Nähkästchen geplaudert. Im wahrsten Wortsinn. Aber meine Familie hat kein Interesse daran das Zugpferd für meine Nähseite zu sein. Und wir sind auch nicht so spannend wie die Kardashians.

Mich würde wirklich interessieren, was euch an einer Seite wichtig ist. Und speziell, was hat euch zu meiner Seite geführt und warum seid ihr gerne Follower (oder findet mich total doof). Nein, das sollte kein Reichweitenkick werden. Es interessiert mich einfach. Ich möchte verstehen, was Leute dazu bewegt auf bestimmten Seiten aktiver zu sein als auf anderen. Was macht ihr selbst, um gesehen zu werden?

Ich bin gespannt,

 

eure Klaudia

Schnittmuster: Hanna von Himmelblau.

Stoff: Art Gallery

Sind wir noch ganz dicht?

5. SSW
Dona Mariposa (erbsünde) – 5. SSW

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, nicht den zigsten Blogpost über Schwangerschaften zu schreiben, aber momentan brennt mir etwas auf der Seele und es muss einfach raus, sonst platze ich.

Wie die meisten Leute, die mir folgen, sicherlich mittlerweile wissen, erwarte ich mein zweites Kind. Ich bin schwanger. In den letzten Zügen quasi. Es kann jeden Moment losgehen. Und wie das die Natur nun einmal so vorgesehen hat, wenn in einem Frauenkörper ein neuer Mensch entsteht, bin ich auch ein wenig runder geworden. Es ist kein Geheimnis. 11 Kilo runder, um genau zu sein. Das ist fast genau so viel wie bei meiner ersten Schwangerschaft vor knapp 6 Jahren und sowohl der Arzt als auch ich selbst, wir sind zufrieden damit.

10. SSW
La Wanda (Schnittgeflüster) – 10. SSW

Wer anscheinend nicht so mit meiner körperlichen Veränderung zufrieden ist, das ist mein Umfeld. Ich wurde in den letzten zwei Wochen, unabhängig voneinander, drei Mal auf meine Zunahme angesprochen. Von teilweise wildfremden Menschen, die ich noch nie gesehen habe. Mal mehr, mal weniger charmant. Von ‚du siehst aber mittlerweile auch schon gut aus‘, begleitet von einer eindeutigen Handbewegung, über ‚man kann auch in der Schwangerschaft mit ein bisschen Selbstdisziplin eine gute Figur behalten, man muss ja nicht aufgehen wie ein Schwamm‘ bis hin zum liebevollen ‚Walfisch‘ (ha ha ha). Zuerst dachte ich, ich hätte mich verhört. Danach musste ich lachen. Nicht über den gelungenen Witz, sondern über die Absurdität der Situation(en). Mittlerweile frage ich mich: ‚Sind wir noch ganz dicht?‘

15. SSW
Kezia (Schnittgeflüster) – 15. SSW

In meiner letzten Schwangerschaft, in der ich – da wiederhole ich mich gerne – auch nicht mehr zugenommen habe als diesmal, war ich bis zum Schluss die schöne und strahlende Schwangere. Jeder hat einem Komplimente gemacht, alle fanden den Bauch süß und mich ganz bezaubernd. Jetzt auf einmal hätte ich Gewichtsprobleme? Ernsthaft? Wann in diesen 6 Jahren hat unsere Gesellschaft denn beschlossen, dass man einer schwangeren Frau ihre Schwangerschaft nicht mehr ansehen darf? Und wann bitte ist es salonfähig geworden sich ungefragt laut über die Figur einer Frau (und es sind doch eigentlich immer nur wir Frauen, denen das passiert) zu äußern? Es interessiert mich doch gar nicht, wie andere Leute über meinen Körper denken.

16. SSW
Emelii (Schnittgeflüster) – 16. SSW

Natürlich fühle ich mich auch diesmal wieder sicherlich nicht als Sexbombe oder Femme Fatale. Welche Schwangere tut das schon? Und ist das der Anspruch an eine Frau, deren Körper gerade das Wunder des Lebens vollbringt? Nein, meistens fühlt man sich tapsig und ein bisschen zu rund, aber bisher war das auch kein Problem. Seit Beginn der Menschheit nicht. Und selbst wenn es für die eine oder andere Frau ein Problem wäre, es wäre IHR exklusives Problem, ihren Körper betreffend, und nicht das fremder Leute. Wir alleine und vor allem unser Körper, der mitspielt oder nicht, entscheiden, wie viel Sport uns noch gut tut, was wir essen (und behalten können) und ob wir uns in Zelte oder hautenge Klamotten schmeißen. Müssen wir denn noch intensiv trainieren? Lange Distanzen laufen? Oder einfach täglich schön stramm spazieren gehen? Oder aber gar nichts davon, weil unser Körper vielleicht voll damit ausgelastet ist, etwas zu produzieren? Einen neuen Menschen nämlich. Das darf doch bitte jeder noch für sich selbst entscheiden. Anhand seiner ganz persönlichen Umstände und auch Vorlieben.

18. SSw
Fine (Evli’s Needle) – 18. SSW

Ich sag euch was. Mein Körper gehört mir. Und zu einem großen Teil auch leihweise gerade dem Menschen, den ich jetzt schon mehr als alles andere liebe, obwohl ich ihn noch nicht einmal gesehen habe. Es geht niemanden etwas an wie ich aussehe. Nur mich. Und ich fühle mich wohl. Es geht mir gut. So gut es einem eben geht, wenn man kurz vor einer Entbindung steht. Das war nicht immer so in dieser Schwangerschaft, aber jetzt ist es so und ich werde das noch genießen. Das habe ich mir verdient.

22. SSW (2)
Tiala, Andrea, Jenna (Schnittgeflüster) – 22. SSW

Ich werde diese letzte Zeit genießen. In dem Bewusstsein, dass es nach der Entbindung kurz sogar noch schlimmer um meinen Körper bestellt sein wird als jetzt. Dann nämlich, wenn mein Bauch wieder aussehen wird wie ein Wasserball, aus dem jemand die halbe Luft rausgelassen hat. Und dann, wenn man realisiert, dass Beine und Po nicht direkt nach der Entbindung wieder so sind wie zuvor.

22. SSw
Große Anna (Himmelblau) – 22. SSW

Ich werde es genießen in dem Bewusstsein, dass ich wieder Disziplin aufbringen muss und dass ich es auch diesmal wieder schaffen werde irgendwann so auszusehen wie vorher. So schnell das eben noch geht. Ich denke zwar, dass es diesmal schwieriger wird, aber ich kann da ziemlich zäh sein. Also mache ich mir jetzt wirklich keinen Kopf.

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Frangia (klitzeglück) mit Plott Dresscode (Ewirala) – 26. SSW

Und selbst wenn es nicht mehr ganz so sein sollte wie vorher – so what? Dieser Körper erzählt eine Geschichte. Die Geschichte von zwei wunderbaren kleinen Leuten. Unsere Geschichte. Und die ist mir lieber als der Promiteil im Hochglanzmagazin. Sie hat Tiefgang und berührt mich. Genau das sollte unsere Gesellschaft sich auch wieder ein bisschen mehr auf die Fahnen schreiben. Tiefgang, Empathie. Und ein bisschen Hirn.

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Dandelion (shhhout) – 27. SSW

Ich lasse euch jetzt noch ein paar Bilder hier. Chronologisch. So dass ihr euch ein Bild davon machen könnt, was mit diesem Körper in den letzten Monaten passiert ist. Wer das schlimm findet und denkt ich wäre aber ganz schön fett geworden, der darf das gerne für sich behalten.

Es interessiert mich nicht.

(Die Bohne)

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Willow (shhhout) – 28. SSW
32. SSW (2)
Willow (shhhout) – 28. SSW
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Amizade (Erbsünde) – 30. SSW
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Große Anna (Himmelblau.) – 32. SSW
35. SSW
Mor Auryn (Karlotta Klamotta) – 35. SSW

Tutorial Lampenschirm bespannen

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Heute mache ich es ganz kurz und knackig. Auf meiner Facebookseite habe ich euch ja schon den neu bespannten Lampenschirm vom Sprießling gezeigt und viele von euch haben sich dazu ein Tutorial gewünscht. Also habe ich parallel ein paar Bilder gemacht und zeige euch, wie das ganz easy funktioniert. Der Lampenschirm hat mich alles in allem ungefähr 15€ gekostet. Gar nicht schlecht für ein so individuelles Designerstück, findet ihr nicht?

 

Hier ist das Tutorial für euch: Tutorial Lampenschirm bespannen

 

Facts:

Lampenschirm – Buttinette

Stoff – Stick and Style

Plotterdateien – Megan Hardy Designs im Silhouette Store

 

Viel Spaß beim Nachnähen und ich würde mich freuen, wenn ihr mich unter euren fertigen Werken verlinkt! ❤

 

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Mama Deluxe

Der Endspurt hat begonnen, es wird Zeit alle geplanten Projekte noch fertig zu bekommen, bevor wir bald zu viert sind. Von Anfang an war mir klar, dass mich diesmal eine selbst genähte Wickeltasche begleiten wird. Mein letztes Exemplar aus Kunstleder von vor bald 6 Jahren löst sich zwischenzeitlich auf und gefällt mir auch nicht mehr wirklich. Außerdem fand ich sie immer ein bisschen zu klein.

Auf der Suche nach dem geeigneten Schnittmuster bin ich beim Nähkroko über die Mama Deluxe von Liebedinge gestolpert. Eine wirklich geniale Tasche mit vielen Extras und Kniffen in zwei Größen. Ich habe mich für die Große entschieden und ich kann euch sagen, diesmal wird mir der Platz definitiv reichen. Als der Korpus fertig war dachte ich ‚Wie praktisch, da drin kannst du auch mal übernachten‘.

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Perfekt also für meine Ansprüche. Wechselklamotten, Babydecke, Wickelzeug, Brei und Getränke sowie alle Sachen für mich und den großen Bruder haben hier locker Platz. Und dank der cleveren Aufteilung muss man in diesen Untiefen auch nichts lange suchen. An der Vorderseite ist eine zweigeteilte Außentasche, die eigentlich mit Druckknöpfen geschlossen wird, die ich aber mit Klettverschluss genäht habe. Gefüttert habe ich diese Außentasche mit SnapPap, was eigentlich eine Notlösung war und hier komme ich schon zu meinem Tipp für alle, die sich an der Mama Deluxe versuchen wollen:

Kauft euch das E-Book, bevor ihr das Material aussucht. Und lest es euch aufmerksam durch!

Ich war so frech und habe Andrea von Liebedinge nach dem Stoffverbrauch gefragt. Sie schickte mir auch gleich die Seite aus dem E-Book. Danke nochmal dafür! Im Eifer des Gefechts habe ich am Stoffmarkt immer in der falschen Zeile gelesen und so unabsichtlich für die kleinere Version eingekauft. Blöd, denn jetzt fehlte auch ein bisschen Innenstoff. Den hätte ich sicherlich noch nachbestellt, wenn ich vor dem Zuschnitt die gesamte Anleitung aufmerksam gelesen hätte, denn dann wäre mir aufgefallen, dass die Außentasche mit einem kleinen Boden genäht wird. Mit SnapPap war das ganz schön heftig zu nähen und eine Nadel hat sich an dieser Stelle auch verabschiedet. Was sicherlich auch an meinem unglaublich stabilen Außenstoff lag. Ich habe am Stoffmarkt ganz tollen Steppstoff gefunden, der außen wie Möbelstrukturstoff beschaffen ist. Super schick, super stabil, aber eben auch ein wenig kniffliger zu vernähen als der etwas dünnere Moskau oder einfacher Canvas. Besonders wenn darauf noch 4 Lagen SnapPap treffen. Aber es hat geklappt und sieht wie ich finde super aus.

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Wer wie ich aus Steppstoff nähen möchte, der kann auf das Volumenvlies H630 oder H640 verzichten. Das ist ja schon im Hauptstoff integriert. Auch das hätte ich gewusst, wenn ich die Anleitung vor dem Einkauf schon gehabt hätte. Deshalb denkt an meinen Tipp! Auf beiden Seiten werden längs Reißverschlusstaschen eingearbeitet. Super für euren Schlüssel, ein Fläschchen, den Schnuller oder all das, was schnell zur Hand sein muss. Hier seht ihr auch, wie die Träger befestigt sind. Ich habe das mit SnapPap gemacht und hoffe sehr, dass das Material halten wird. Leder oder Kunstleder sind hier wahrscheinlich die sicherste Option, da habe ich aber leider nichts gefunden, was farblich gepasst hätte.

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Auf der Rückseite befindet sich noch einmal eine recht geräumige Reißverschlusstasche für Geldbeutel, Sonnenbrille oder was auch immer man nicht erst in der großen Tasche suchen möchte. Die beiden Tragehenkel sind übrigens ebenfalls mit SnapPap und D-Ringen befestigt. Mittig werden die Henkel noch gefaltet und abgesteppt, so dass sie schön in der Hand liegen. Wieder so ein tolles Detail, das die Tasche einfach unheimlich wertig macht. Genau wie das schicke Gurtpolster am Tragegurt. Ich hatte die Tasche schon mit und sie trägt sich damit wunderbar. (Diese Details seht ihr weiter oben am besten.)

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Hier seht ihr noch einmal die andere Seite. Am Tragegurt erkennt ihr auch direkt den Schieber, mit dem man den Gurt individuell verstellen kann. Jetzt geht’s aber ans Allerheiligste. Bitte kommt mit ins Innere meiner Mama Deluxe!

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Zuerst einmal dürft ihr seufzen, quieken und euch an dem wundervollen Innenstoff erfreuen. Ist der nicht herrlich? Ich habe das Schätzchen bei Mirja und Götz-Daniel vom  Glückpunkt Shop gekauft. Mittlerweile einer meiner liebsten Stoffläden. Sie haben wundervolle Sachen, einen tollen Kundenservice und auch mal ganz ausgefallene Stoffe zum fairen Preis. Den Link zum Stoff stelle ich euch unten ein.

Und hier seht ihr schon ein Highlight der Innentasche, denn auch hier finden sich wieder zwei Einschubtaschen, die mit Hilfe von Falzgummi so gekräuselt werden, dass oben nichts herausfallen kann. Ich habe über das Gummi noch ein Schrägband genäht. Das könnt ihr aber weglassen, wenn ihr farblich passenden Falzgummi bestellt. Hier ist der perfekte Platz für Windeln, Feuchttücher und die Wickelunterlage.

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Auf der anderen Seite ist nochmal eine Reißverschlusstasche. Hier könnten eventuell gebrauchte Bodies etc. Platz finden. Man könnte dieses Fach und die Innentasche aus beschichteten Stoffen nähen. Dann bräuchte man kein H250 und könnte die Tasche sogar auswischen. Und obwohl ich den Schrank voll mit beschichteten Stoffen habe, konnte ich doch nicht an diesen Kirschblüten vorbei…

Ihr seht also, ich bin ziemlich begeistert von meiner Mama Deluxe. Sie ist groß, mit vielen tollen Details ausgestattet und vor allem sieht sie genau so aus, wie ich sie haben wollte. Insgesamt habe ich für die Tasche inklusive E-Book, allen Stoffen und Einlagen, Gurtband, Schrägband, Reißverschlüssen, SnapPap, Ringen und Schieber etwa 60 Euro ausgegeben. Also ein bisschen weniger als ich damals für meine Lässig Wickeltasche bezahlt habe. Wobei ich zugeben muss, dass der Außenstoff mit 25€/m nicht unbedingt ein Schnäppchen war. Aber hey, der Schnitt heißt schließlich Mama Deluxe. 😉

Insgesamt kann ich den Schnitt wirklich empfehlen. Ja, ich habe lange gebraucht und ja, man braucht erstmal ziemlich viele Sachen, aber es lohnt sich total. Diese Tasche wird mich sicherlich auch noch nach der Wickelzeit als Reisetasche für Kurztrips begleiten.

FACTS:

‚Näh dir deinen Style‘ in jedem Alter

Heute verrate ich euch ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das bisher mehr oder weniger gut gehütet war. Ich habe nämlich, sagen wir es mal so, kürzlich das 15. Jubiläum meines 20. Geburtstags gefeiert. Seufz! Naja, eigentlich hält sich das Entsetzen darüber in Grenzen. 40 ist ja neuerdings wie 30 und ich kenne eine Menge toller Frauen, die in ihren 40ern erst so richtig Gas geben. So habe ich das auch vor, in ein paar Jahren.

Warum ich euch das erzähle? Weil es mich angesichts des drohenden ‚Jubeltages‘ doch sehr geehrt hat, dass ausgerechnet ich alte Kartonage ein Nähbuch für Teenies testen darf. Ha! Ich sag ja immer, man ist so alt wie man sich fühlt und ‚Näh dir deinen Style‘ von der uns allen bekannten Anna von Einfach nähen hilft genau dabei. Mit einfachsten Schnitten, ganz ohne Schnittbogen, nur mit Anleitungen und den eigenen Körpermaßen, entstehen hier lässige Kleidungsstücke, Accessoires und Dekoartikel, die eben ganz individuell nach dem eigenen Style gefertigt werden können.

Buch

Da ich derzeit ja nicht nur quasi wieder ein wenig gereift, sondern auch aufgrund der Schwangerschaft körpermittig ein bisschen aus der Form bin, habe ich mich erst einmal für ein ganz einfaches Projekt entschieden. Ein Longshirt, das ich lediglich an der Bruchlinie um 1,5 cm verbreitert habe, damit die Kugel auch schön Platz hat. Streifen gehen immer – hab ich mich hier etwa vom Cover inspirieren lassen? – und als i-Tüpfelchen noch ein schön selbstironischer Plott. Fertig ist ein neues Lieblingsteil!

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Die Anleitung und die gesamte Anfertigung waren super easy, ganz schnell war ich fertig und konnte mich über ein neues Shirt freuen. Den Schnitt habe ich mir direkt auf dem Stoff ausgemessen, man kann sich natürlich auch einen Bogen aus Folie, Architektenpapier, Zeitungspapier etc. anfertigen. 6 Nähte und 4 Säume später hab ich ein Teil, das ich schneller und einfacher nicht hätte shoppen können.

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Aber natürlich hält das Buch nicht nur tolle Schnitte, sondern auch jede Menge Tipps bereit. Ich habe mich ja schon öfter als großer Fan der Videos von Einfach Nähen geoutet und ich muss schon zugeben, ein bisschen hat mir bei der Lektüre einfach die Stimme von Anna gefehlt. Für alle Junkies wie mich und für alle, die gerade neu in die Nähthematik eingestiegen sind und noch ein bisschen anschaulichere Hilfe brauchen, gibt es direkt im Buch tolle Scan Codes, die einen direkt zum passenden Video weiterleiten. So kann man ganz bequem mit Buch und Smartphone direkt an der Maschine sitzen bleiben und 1 zu 1 umsetzen, was Anna zeigt. Absolut unterschreiben kann ich auch die goldenen Regeln fürs Nähen. Da sind alte, aber wichtige Klassiker, genau so vertreten wie nützliche Tipps, wie man besonders viel Freude an seinem Genähten hat. Insgesamt ist das Buch also sehr frisch aufgemacht, abwechslungsreich, einfach aber nicht einfallslos und sympathisch. Die Handschrift von Anna erkenne ich ganz deutlich.

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Aber nun zurück zu mir und meinem kleinen Jubiläum. Das einfache Shirt habe ich stilecht und passend zum Thema noch mit einem neuen Plott von shhhout! gepimpt.

Vintage since 1982

Aged to perfection

So ist es! Böse Zungen behaupten ja Männer reifen wie Wein, Frauen wie Käse. Nun ja meine Herren, ich habe durchaus schon männliche Exemplare kennen gelernt, bei denen der Jungwein mir deutlich besser gefallen hat als der alte Essig. Umgekehrt kann ich einem schlecht gemachten Ziegenfrischkäse weniger abgewinnen als einem gut gereiften Gruyere… Nein, ich möchte wirklich nicht mehr jünger sein. keine 5, aber auch keine 10 Jahre und trotzdem ist es erschreckend sich vor Augen zu führen, dass zu Zeiten meines Abiturs die jetzigen Abiturienten gerade einmal geboren waren und dass ich nun fast so lange Auto fahre, wie ich ohne Führerschein war. Dass ich nun schon genau so lange der arbeitenden Bevölkerung angehöre wie ich die Schulbank gedrückt habe. Ok, bei mir ist das irgendwie ja noch das selbe, aber so vom Prinzip her.

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Da kann so eine böse Zahl, auf einem Shirt auch noch plakativ zur Schau gestellt, schon mal ein kleines bisschen schmerzen. Kurz habe ich überlegt den Jahrgang ein wenig zu frisieren. So Richtung 29 c. Aber nein, ich habe nichts zu verstecken. Meine Falten sind überwiegend Lachfalten, meine Tränensäcke habe ich mir in so mancher Nacht redlich verdient und auch sonst finde ich, dass mir das Alter ganz gut steht.

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Darüber hinaus ist es ja auch so, dass man immer so alt ist wie man sich fühlt und ich kann von mir behaupten, ich bin immer noch nicht so ganz erwachsen und weiß auch nicht, ob ich das mal werden möchte. Solange man die wichtigen Dinge erwachsen und ernsthaft auf die Reihe bekommt, darf man ruhig auch noch ein Stück weit Kind bleiben finde ich. Kinder sind schließlich wunderbar und wir können viel von ihnen lernen.

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In diesem Sinne, bleibt so jung wie ihr euch fühlt und lasst euch von ein paar zahlen nicht fertig machen. 😉

Facts:

Longshirt aus dem Buch Näh dir deinen Style

Plott Born Vintage von shhhout!

Stoff Sanetta Outlet

Verlinkt bei RUMS

 

 

Der faire Lohn fürs Probenähen

Probenähen. Ein Mythos, möchte man meinen. Ein stets heiß diskutiertes Thema, bei dem es nur schwarz oder weiß zu geben scheint.

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Fransenschal von Lynnaed

Da gibt es diejenigen, für die es eine Ehre ist, einen Schnitt oder Stoff probenähen zu dürfen. Sie bewerben sich auf den Seiten der Ersteller, sind überglücklich wenn es einmal geklappt hat oder sind am Boden zerstört, wenn sie nicht genommen wurden und schreiben sich diesen Frust sogar in Nähgruppen von der Seele.

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Jade Lady von Schnittherzchen

Und dann gibt es die andere Seite. Leute, die gerne von getesteten Schnitten profitieren und sich kopfschüttelnd darüber wundern, warum die Probenäher das machen, wenn es doch völlig umsonst ist. Die dummen Probenäher, die nicht rechnen können. Es soll sogar Leute geben, die E-Books boykottieren, weil sie die Ersteller nicht unterstützen wollen, die ihre Näherinnen ausbeuten und sie gratis Zeit und Stoff opfern lassen um selbst den ganzen Gewinn einzustreichen. Die gemeinen Designer, die die Gutgläubigkeit ihres Teams ausnutzen um den ganz großen Reibach zu machen. In manchen großen Nähgruppen ist es sogar unerwünscht Probenähergebnisse zu posten, weil dies Werbung ist. Kostenlose Werbung selbstverständlich. Werbung, von der nur einer etwas hat, nämlich der Schnittersteller. Die naiven Probenäher!

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UpperMUKK Ladies von Mukkelchen

Es gibt so Themen, die die Nähwelt immer wieder aufreiben, spalten und beschäftigen, zu denen irgendwie jeder eine Meinung hat. Wenn solch ein Thema in einer Nähgruppe aufgeworfen wird passiert es meistens, dass dieser Beitrag deutlich mehr Resonanz bekommt als zum Beispiel ein gepostetes Nähwerk. Zeig deine handwerklich anspruchsvolle Chiffonbluse in einer Nähgruppe und du wirst vielleicht 20 Likes bekommen. Stell öffentlich die Frage, warum Probenäher eigentlich nicht bezahlt werden und du wirst innerhalb der ersten 10 Minuten annähernd 100 Kommentare bekommen. Jeder hat dazu eine Meinung und jeder möchte diese Meinung kundtun.

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Faiva von Schnittgeflüster

Und dann gibt es Leute, die diese Ersteller scharf verurteilen, darüber Beiträge auf ihren Seiten schreiben. Auf Seiten, die durch Werbepartner finanziert werden. Die Gewinn abwerfen, sobald ein Beitrag aufgerufen wird und die noch mehr Gewinn abwerfen, wenn von dieser Seite aus der Link eines Werbepartners angeklickt wird. Diese Leute erhalten eine Provision, wenn ich bei dem Werbepartner wirklich etwas einkaufe. Zum Beispiel bei einem Stoffshop, bei dem ich sowieso die Tage bestellt hätte. Diese Kosten kalkuliert der Stoffhändler übrigens in sein Produkt mit ein. Sie werden vom Endkunden getragen. Also von dir. Wenn du also das nächste Mal einen solchen Blogbeitrag liest und dir denkst, Mensch, die sagt endlich mal die Wahrheit. Zum Kotzen diese Ausbeutung der Probenäher. Und gemein, sich an diesen Leuten zu bereichern, dann denk mal daran, dass du gerade genau so ausgenutzt wirst. Von jemandem, der dir keinen unmittelbaren Nutzen bringt. Zum Beispiel in Form eines gut getesteten Schnittmusters.

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Top von Muckelie, Plott von shhhout

Aber hey, egal. Wir lassen diese Personen mal aus dem Spiel und widmen uns wieder der Kernthematik. Warum bezahlen Designer ihre Probenäher nicht und gibt es vielleicht sogar welche, die das tun?

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Durana verlängert zum Kleid von Schnittgeflüster

Die Antwort auf die erste Frage ist ganz einfach. Weil sie es sich, selbst wenn sie wollten, nicht leisten könnten. Weil ein durchschnittlich verdienender Schnittdesigner in der Regel nicht mehr verdient wie du und ich. Kannst du dir 50 Angestellte leisten? Angestellte, die den Mindestlohn bekommen? 8,50€? Pro STUNDE? Komm schon, denk nach!

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Vestis von Elfriede und Fridolin

Und selbst wenn man so ein Probenähen mit 2 Mädels in jeder Größe stemmen könnte – so dass der Schnitt hinterher dir und mir und der Dame von nebenan sowie ihrer Freundin und deren Mutter und der Tante ihrer Cousine passt (ihr seht worauf ich hinaus will) – es wäre immer noch zu teuer. Wie viele Kosten ein Selbstständiger in dieser Branche zu tragen hat, das wurde mittlerweile in verschiedensten Beiträgen ziemlich genau dargelegt, also eigentlich wissen wir alle, dass nur ein Bruchteil des Umsatzes tatsächlich zum Gewinn wird. Wenn man es gut macht, kann man davon seine Rechnungen bezahlen und den Kühlschrank voll machen. Je nachdem wie viel Zeit man opfert. Wie viele Nächte man arbeitet. Wie viele Ideen man ent- und verwirft. Wie gut man die Kunden betreut – selbst und ständig. Die Rechnung geht nicht auf. Probenäher können nicht im herkömmlichen Sinne bezahlt werden. Es sei denn du bist Burda, Ottobre, Simplicity oder so jemand. Würden wir also darauf bestehen, Probenäher für ihre Arbeit fair zu entlohnen, dann hätten wir, ich und du, genau diese Auswahl übrig. Burda, Ottobre, Simplicity und wie sie alle heißen. Ganz schön langweilig finde ich.

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Hanna von Himmelblau.

Also wir fassen zusammen, jedem logisch denkenden Menschen ist völlig klar, dass das nicht zu bewerkstelligen ist. Und trotzdem möchten sich viele Designer bei ihrem Team erkenntlich zeigen. Die einen machen das mit gelegentlichen Geschenken, mit ein bisschen Stoff, Rabatten bei verschiedenen Händlern für ihre Probenäher etc. Andere versuchen dem Ruf der Masse gerecht zu werden und ‚bezahlen‘ ihr Team.

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Goldstück von Fred von SOHO mit einfachem Rockteil

In den letzten Tagen habt ihr sicherlich mitbekommen, dass es eine Designerin gibt, die jeder ihrer Probenäherinnen 10-15€ pro Schnitt bezahlt. Sehr cool, oder? Also ganz ehrlich, der Gedanke ist süß und es ist schön, wertgeschätzt zu werden. Aber 10-15€ sind ein Witz. Wir alle wissen, wie viel im Durchschnitt ein Meter Stoff kostet. Ziemlich genau 10-15€. Wer schon einmal sagen wir mal einen Kapuzenhoodie genäht hat, der weiß wie viel Stoff man dafür braucht. Das ist definitiv mehr als ein Meter. Und wer schon einmal hinter die Kulissen eines Probenähens schauen konnte, der weiß, dass es in den seltensten Fällen ausreicht nur eine Version eines Schnittes zu testen. Hier sprechen wir rein vom Material, noch nicht von der Zeit, die dahinter steckt verschiedene Teile zu nähen, zu fotografieren und zu verbloggen.

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Frühsommer von Die wilde Matrossel

Es wird hier also der Eindruck erzeugt, man sei ‚quitt‘. Nein, das ist man nicht. Und das ist auch wirklich überhaupt nicht nötig. Ich brauche keinen Zweitjob. Ich möchte nicht unter dem Druck stehen in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Teile rauszuhauen und mir die Freiheit abkaufen zu lassen, den Schnitt so objektiv wie möglich zu beurteilen. Einen Schnitt vielleicht gar nicht zu zeigen, weil er mich nicht überzeugt hat. Oder die Schwachstellen eines Schnittes aufzuzeigen, der mir nicht gepasst hat. Ich möchte nicht im Akkord arbeiten, damit andere Geld verdienen können. Aus diesem Grund bin ich schon aus Stammteams ausgestiegen.

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Frl. Lenz von Lotte&Ludwig

Ich habe mich zum Probenähen beworben im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. Und ja, ich kann rechnen und weiß, dass meine Arbeit dazu beiträgt, dass jemand anderes ein Einkommen hat. Ich weiß, dass eine gehörige Portion Idealismus dazu gehört Zeit und Stoff zu geben für ein Projekt, an dem man selbst nichts verdient. So ist das zumindest bei mir, denn ich habe wirklich noch niemals Geld für meine Leistungen bekommen. Ich habe auch die Möglichkeit von Affilate Links bisher für mich ausgeschlossen, weil ich gerne unabhängig bleiben möchte und weil ich mehr koste als das, was ich da bekommen würde. 😉

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Kezia von Schnittgeflüster

Dieser Blog hier sowie meine anderen Kanäle, sie sind werbefrei. Was ich bekomme sind Schnittmuster und teilweise auch Stoffe zu Testzwecken. Wenn mir ein Stoff nicht gefällt, dann schicke ich ihn zurück. Und wenn mir ein Schnitt nicht gefällt, dann nähe ich ihn nicht. Wenn im Probenähen meine Kritik nicht aufgenommen wird und ich das Gefühl habe, ich bin nur dazu da um Werbung zu machen, dann bin ich weg. So ist das.

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La Jezara von Schnittgeflüster, Stoff von Glückpunkt

Wer sich jetzt immer noch fragt, warum ich das mache, dem kann ich ein paar Gründe nennen. Ich mache es ‚für die Ehre‘. Zumindest hat es so begonnen. Ich wollte mal schauen, ob mein Können gut genug ist, um in einem Team mit erfahrenen Näherinnen mithalten zu können. Ich wollte schauen, ob mein Stil gut genug ist um Ersteller von mir zu überzeugen. Ich habe Spaß daran mich zu verbessern, meinen Stil weiter zu entwickeln. Ich finde es toll, dass so viele Leute sich für mein Hobby interessieren, sie meinen Seiten folgen und ihnen meine Werke gefallen. Ich fühle mich in meinen verbliebenen Teams unheimlich wohl und ich mag die Leute, für die ich nähe, wahnsinnig gerne. Viele von ihnen nicht mehr nur übers Nähen, sondern auch privat. Alle Designer und Stoffhändler, in deren Stammteams ich sein darf, haben sich in irgendeiner Art und Weise schon bei mir erkenntlich gezeigt und niemals hätte ich das erwartet oder eingefordert. Es ist überhaupt nicht nötig. Und dennoch habe ich mich natürlich darüber gefreut so eine Wertschätzung zu erfahren.

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Delicia von erbsünde

Es ist ein bisschen wie Fußball spielen in der Kreisliga. Man wird dafür nicht bezahlt. Man freut sich trotzdem, wenn man mitspielen darf. Man freut sich, wenn viele Zuschauer kommen. Man freut sich auch, wenn man einmal besser war als die Mannschaft aus dem Nachbardorf. Man geht gerne mit seinen Mitspielern auf ein Bier. Manche der Mitspieler werden Freunde. Man freut sich, wenn man als Spieler mit guten Leistungen einen gewissen Bekanntheitsgrad unter Fußballverrückten erlangt hat. Es ist ein Hobby, das Freude macht und Ausgleich ist.

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Frangia von klitzeglück, Plott von shhhout

Und zu guter Letzt: Nicht alle Leistungen im Leben müssen bezahlt werden. Man kann auch einmal etwas freiwillig machen, weil man Freude daran hat. Auch wenn das immer mehr aus der Mode kommt.

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Große Vani von Himmelblau.

Dieser Beitrag zeigt einige Bilder der Probenähstücke, die ich für mich genäht habe, begonnen mit den allerersten Bildern. Ich finde man sieht ganz gut, welche davon zum Schluss hin entstanden sind und wie ich mich in meiner Zeit als Probenäherin auch entwickelt habe.

zuckerwatte
La Wanda von Schnittgeflüster

Auch möchte ich mich an dieser Stelle bei meinen Designern und Stoffhelden bedanken, die mich im Stammteam (nähen, plotten, Stoffe vernähen) ‚ausbeuten‘. Kleiner Scherz, ihr kennt mich. 😉 Diese Liste enthält übrigens kein Ranking.

Dona Mariposa 1.JPG
Dona Mariposa von erbsünde, Stoff von Glückpunkt

Danke Dani von Schnittgeflüster
Danke Natascha von Himmelblau.
Danke Anna von Annas Country
Danke Antje von Elfriede und Fridolin
Danke Kathrin von shhhout
Danke Ilka von erbsünde
Danke Mirja und Götz-Daniel vom Glückpunkt Shop
Danke Jacqueline und Hannah von der Leinen Lodge

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Frl. Lenz von Lotte&Ludwig

Danke an alle anderen Designer und Stoffhändler, die ich bei diversen Projekten unterstützen durfte, mit deren Hilfe ich mich weiter entwickeln konnte und die zum Werdegang meiner kleinen Seite einen Beitrag geleistet haben.

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Große Anna von Himmelblau.